Regisseur, Bühnenbildner und Kostümbildner Pier Luigi Pizzi wurde am 15. 6. 1930 in Mailand geboren, wo er Architektur studierte und seine ersten Erfahrungen am Theater bei der Zusammenarbeit mit Giorgio Strehler und Giorgio De Lullo gewann; viele Jahre arbeitete er mit dem Regisseur Luca Ronconi zusammen. Seit 1951, wo er als Bühnenbildner anfing, beteiligte sich Pier Luigi Pizzi an über 350 Inszenierungen in der ganzen Welt.
Als Opernregisseur debütierte er im Jahre 1977, als er im Turiner Teatro Regio Mozarts Don Giovanni mit Rugger Raimondi in der Titelrolle inszenierte. Seit diesem Jahr widmet er sich völlig der Opernregie, bei der er aber auch weiterhin seine Arbeit als Bühnen- und Kostümbildner zur Geltung bringt. Jede Pizzis Inszenierung hat so einen komplexen schöpferischen Plan.
Obwohl Pizzis Name mit der Renaissance der Barockoper untrennbar verbunden ist, sind Schroffheit und Imagination auch weiterhin typisch für ihn. Im Rahmen der Feier des 300. Geburtstages von Rameau realisierte er 1983 im Pariser Théâtre du Châtelet die unvergessliche Inszenierung dessen Oper Les Indes Galantes, die in demselben Jahr auch in Dijon und im Teatro La Fenice in Venedig aufgeführt wurde. 1985 inszeniert Pizzi im Pariser Théâtre des Champs-Élysées Johannes-Passion von Bach. Aus demselben Jahr stammen auch weitere Pizzis Barockproduktionen in Paris – Glucks Alkeste, ursprünglich für das Grand Théâtre de Geneve gemacht, und die Inszenierung von Händels Rinaldo, die in Koproduktion mit dem Teatro Romolo Valli di Reggio Emilia realisiert wurde. Der Barockzyklus, der Paris bezaubert hat, wurde 1986 in Italien fortgesetzt – u.a. im Teatro Reggio Emilia mit Purcells Werken Dido und Aeneas und Cäcilien-Ode, die an einem Abend aufgeführt wurden. In den neunziger Jahren – wieder in Frankreich – wurden auf dem Festival in Aix-en-Provence Rameaus Oper Castor et Pollux und in der L’Opéra Royal de Versailles Glucks Armida aufgeführt.
1988 bezeichnete der französische Grand Prix de Syndicat de la Critique Musicale Pier Luigi Pizzi als »Musikalische Persönlichkeit des Jahres«. Im März 1989 führte er im Pariser Théâtre des Champs-Élysées Rossinis Wilhelm Tell mit José Van Dam auf. Für diese außergewöhnliche Inszenierung, die als die beste Opernaufführung der Spielzeit 1988/1989 bezeichnet wurde, erhielt er den Grand Prix de Syndicat de la Critique Musicale de France. In den neunziger Jahren wurden Pizzi vom Präsidenten der Französischen Republik zwei Auszeichnungen verliehen: der Orden eines Ritters für Kunst und Literatur und der Orden der Ehrenlegion.
Pizzi arbeitete mit den bedeutendsten Opernhäusern der Welt zusammen, wie mit der Mailänder La Scala, dem Burgtheater Wien, der Wiener Staatsoper, der Pariser Oper, der Londoner Covent Garden Opera, der Bayerischen Staatsoper München, der Arena von Verona, dem Teatro La Fenice in Venedig und anderen Opernbühnen in Florenz, Neapel, Rom, Palermo, Parma. Viele Inszenierungen schuf er für das Rossini – Festival in Pesaro.
Als Regisseur nutzte Pizzi auch verschiedene, für Theater nicht bestimmte Räumlichkeiten: 1984 führte er auf dem Hof des Palazzo Pitti in Florenz Monteverdis Orpheus in Bearbeitung von Luciano Berio auf, ein Jahr später realisierte er im Olimpico di Vicenza Mozarts Oper Il Re Pastore. In der Arena von Nîmes inszenierte er zwei Werke, die sich in der römischen Zeit abspielen: Verdis Attila und Bellinis Norma. Im Juli 1988 führte er Puccinis Turandot in der Rocca Brancaleone in Ravenna auf. Einen außergewöhnlichen Erfolg feierte Pizzis Carmen mit Teresa Berganza im Mai 1989 in Bercy.
Pier Luigi Pizzi trug während seiner schöpferischen Laufbahn zur Entdeckung von weniger frequentierten Opern wie Salieris Les Danaides im Jahre 1990 oder Donizettis Poliuto (Festival in Ravenna) und auch Buovo d’Antona von Tommas Traetta im Jahre 1993 im Teatro La Fenice anlässlich des 200. Todestages von Goldoni bei.
Außer der großen Werke der Opernhistorie, die Pizzi szenisch realisierte, widmet er sich auch dem gegenwärtigen Repertoire: 1987 führte er in Nancy Strawinskys Melodram Perséphone und die Oper Rapt de Perséphone von André Bono (Libretto Dominique Fernandez) als Welturaufführung auf. 1988 führte das Théâtre du Châtelet unter seiner Regie die Oper Il cappello di paglia di Firenze von Nino Rota auf.
Pier Luigi Pizzi ist ständiger Gast der größten weltberühmten Bühnen mit neuen Ausstattungen. Brittens Der Tod in Venedig (Death in Venice) in Genuas Theater Carlo Felice erhielt als die beste Aufführung des Jahres den Frank-Abbiati-Preis. 2003 wurde er von dem Intendanten des venezianischen Teatro La Fenice mit der Überwachung des Wiederaufbaus des durch einen Brand im Jahre 1986 zerstörten Theaters beauftragt; hier führte Pizzi Massenets Oper Thaïs, Bizets Die Perlenfischer u.a. auf. Am 7. Dezember 2004 inaugurierte Pizzi feierlich die Spielzeit in der neu rekonstruierten Mailänder La Scale mit Saliers Oper Europa riconosciuta unter der Leitung von Riccardo Muti. Im Mai 2005 eröffnete er die Opernsaison in der Arena von Verona mit Ponchiellis Gioconda und im Juni desselben Jahres realisierte er auf dem Opernfestival Sferisterio im italienischen Macerata Poulenc’ Les Mamelles de Tirésias und die Oper Le bel indifférent von Mark Tutin als Welturaufführung. Seit 2005 ist er künstlerischer Direktor dieses Festivals. Im Januar 2006 führte er im Teatro Real in Madrid Brittens Oper Ein Sommernachtstraum auf.
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22. 05. 2012 um 19:00
G. Verdi: Il Trovatore
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G. Rossini: Der Barbier von Sevilla
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G. Puccini: Tosca
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